AUS DEN ZWEIGSTELLEN

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 3 · September 2014

Young Leadership Seminar im Internationalen Büro bei der ZWST Berlin
vom 02. bis 04. Mai

Rassismus und Antisemitismus in den Medien:
Wie gehen wir damit um?

Veranstaltungen des Internationalen Büros der ZWST erfreuen sich wachsender Beliebtheit. So dauerte es auch diesmal nicht lange und alle verfügbaren Plätze für das Seminar „Rassismus und Antisemitismus in den Medien“ waren belegt.

23 Medienschaffende, Studenten und weitere Interessierte, kamen Anfang Mai in Berlin zusammen, um sich drei Tage lang zu informieren, mit Fachleuten zu diskutieren und sich auszutauschen.

Seminarleiterin Sabine Reisin und Dan Fayutkin (Delegierter der Jewish Agency, bei der ZWST zuständig für junge Erwachsene) hatten ein anspruchsvolles Programm mit ausgezeichneten Referenten zusammengestellt. Für eine sehr schöne Kabbalat-Shabbat-Feier und fürs Kulinarische sorgte die sephardische Synagoge Tiferet Israel Berlin und erntete dafür viel Beifall von allen.

Behandelt wurden vor allem die Themen „Rassismus“, „Rechtsextremismus“ und „Antisemitismus“, wie sie in der Medienlandschaft zu finden sind. Matthias Becker, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin, führte sehr fundiert und mit einer Fülle besorgniserregender Fakten in die Materie ein.

„Rassismus und Antisemitismus sind nicht nur eine Randerscheinung“, erklärte er, „sie erscheinen in der Sprache der Politik in den Medien, im Alltag“. Seit der Wende sei verstärkt eine Orientierung auf ein nationales Konzept statt auf Öffnung zu beobachten. Menschen werden mit pseudowissenschaftlichen Begründungen als „Rasse“ konstituiert, Eigen- und Fremdgruppen definiert (s. auch Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“). Dabei ging Becker auch auf die Erscheinung des Neorassismus ein, bei dem nicht mehr von „minderwertigen Rassen“ sondern von einem „Kampf der Kulturen“ die Rede sei, der von „verschiedenwertigen“ Kulturen bzw. Ethnien ausgetragen werde. Eine Zunahme tätlicher Gewalt sei zu beobachten, gegen Türken, gegen Juden. Scheinbar seriös wissenschaftlich und statistisch gestützte Vorurteile wie „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen“ oder „die Türken erobern Deutschland, weil sie mehr Kinder bekommen“ (tatsächlicher Bevölkerungsanteil: 3%) seien weit verbreitet.

Das hatte auch der Journalist Mehmet Ata, der zur Initiative „Mehr Vielfalt in den Medien“ des Vereins „neue Deutsche Medienmacher“ referierte, selbst erfahren. Anlässlich seiner Übernahme in ein Anstellungsverhältnis erkundigte man sich, ob Ata, der in Deutschland geboren wurde, studiert und promoviert hat, Deutsch spreche. Im Kollegenkreis habe er allerdings ganz allgemein viel mehr Unterstützung erhalten.

„Der Antisemitismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, bestätigte auch Philipp Peyman Engel von der Jüdischen Allgemeinen Zeitung, dessen Vortrag zum Thema „Effektive Medienkampagnen gegen Rassismus und antireligiöse Ressentiments“ mit vielen antisemitischen Karikaturen – alle zwischen 2010 und 2012 in deutschen Tageszeitungen erschienen – angereichert war. Wie vor ihm Matthias Becker hob auch Engel die führende Rolle der Süddeutschen Zeitung bei diesem unappetitlichen Gebaren hervor, deren „witzige“ Karikaturen zu jüdischen und israelischen Themen unschwer als Anleihen aus dem „Stürmer“ zu erkennen seien. Er betonte jedoch, dass es bereits viele jüdische Redakteure bei anderen Zeitungen gebe, deren Anwesenheit zu einer Abnahme antisemitischer Ausfälle in der Presse führe und ermunterte die Studierenden, sich auf entsprechende Stellen zu bewerben.

In den Workshops von Andrej Reisin vom ARD-Magazin Panorama und von Dan Fayutkin wurden Rassismus und Antisemitismus in sozialen Netzwerken und sowohl individuelle Möglichkeiten als auch Medienkampagnen zur Abwehr thematisiert. Reisin ermunterte die Zuhörer, z.B. auf eigenen Facebookseiten bestimmte Einträge nicht zuzulassen bzw. zu löschen. Im Internet habe man das Recht (und als Verantwortlicher für eine Webseite auch die Pflicht), seinen „privaten Raum“ und dessen gern gesehene Besucher zu schützen.

Eine andere Position nahm Dan Fayutkin ein, der im Workshop „Kreative Medienpsychologie“ über seine seit einem Jahr arbeitende Mediengruppe und die deutsch/israelische Facebookseite „Unterstützt Israel“ berichtete. Dort würden bewusst antisemitische und antiisraelische Kommentare stehen gelassen. Man solle sich gar nicht mit Antisemiten beschäftigen, seine Zielgruppe seien die Menschen in Deutschland, die sich wenig mit Israel beschäftigten. Positive Medienkampagnen seien wichtig, um sie negativen gegenüberzustellen.

Mit viel Input durch professionelle und engagierte Referenten gab es an den drei Seminartagen für alle viel nachzudenken, zu fragen und zu diskutieren. 

Sabine Reisin, Internationales Büro der ZWST

 

 

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