DAS SOZIALREFERAT INFORMIERT

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 3 · September 2014

BFD-Seminar im August in Berlin

BFD: Aktueller Stand Die Teilnahme am Bundesfreiwilligendienst gestaltet sich weiterhin erfolgreich, alle vorhandenen Plätze in den Gemeinden sind belegt. In den jüdischen Gemeinden hat der BFD die Engagementkultur erheblich verstärkt und zu einer Vielzahl an attraktiven Angeboten für Gemeindemitglieder geführt. Verbessert hat sich dadurch auch die Situation vieler arbeitsuchender BFDler, denn einige dieser Projekte wurden außerhalb des Bundesfreiwilligendienstes fortgeführt und ermöglichten den Übergang in ein Arbeitsverhältnis. Der Dienst wird nicht nur bei der ZWST, sondern bundesweit bei allen Zentralstellen viel stärker nachgefragt als erwartet. Daher war der BFD in den vergangenen Monaten vor allem von der Sorge um nicht ausreichende Freiwilligenplätze geprägt. Die ZWST verfügte für das Jahr 2014 zunächst über rund 388 Freiwilligenplätze. Eine vorgesehene, erhebliche Reduzierung wurde nach mehreren Gesprächen mit dem BMFSJ abgemildert, so dass die ZWST nach viel hin und her über die volle Platzzahl für 2014 verfügen konnte. Aus diesem Kontingent werden rund 100 registrierte Einsatzstellen, in der Mehrheit jüdische Gemeinden bedient. Unsere Verteilungskriterien sind vorwiegend die Gemeindegröße, der soziale Aspekt der Arbeit und der umsichtige Erhalt gewachsener Strukturen. Das heißt, Freiwilligenstellen, die die Senioren- oder Jugendarbeit direkt unterstützen, haben Vorrang vor Stellen als Hausmeisterhelfer oder in der Verwaltung. Da es in den ersten Jahren des BFD mehr Plätze als Nachfragen gab, konnten einige Gemeinden eine große Zahl unterschiedlicher Angebote installieren und eine Vielzahl an Projekten ins Leben rufen. Auch diese Projekte müssen künftig, trotz längerer Zusammenarbeit, neu geprüft und unter Umständen mit geringerer Freiwilligenzahl fortgeführt werden. Wie alle Träger, setzt sich daher die ZWST dafür ein, eine Erhöhung der Haushaltsmittel und damit der verfügbaren Freiwilligenplätze zu erreichen. Für 2015 liegen uns noch keine Planungszahlen des BMFSJ vor, sobald diese bekannt sind, werden wir die Gemeinden informieren. Günter Jek, ZWST
Pädagogische Begleitung in ganz Deutschland
Neben den zentralen Seminaren in der ZWST-Bildungsstätte in Bad Sobernheim hat das kleine Team des Sozialreferates im Juni, Juli und August ein umfangreiches „Paket“ mehrtägiger Regionalseminare geschultert. Die für BFDler obligatorische pädagogische Begleitung wurde in Hannover, Mecklenburg, Dessau, Mönchengladbach und Berlin organisiert, dazu kamen Tagesseminare in Recklinghausen und Erfurt. Die Inhalte aller Seminare sind „Basics“ zum Bundesfreiwilligendienst und zur Bedeutung des Ehrenamtes, Politische Bildung, Sozialrecht, Rolle der Wohlfahrtsverbände in Deutschland sowie Infos zur jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Dazu kommen Schwerpunktthemen, die in Absprache und auf Wunsch der Gemeinden behandelt werden, wie z.B. Konfliktmanagement, Erste Hilfe, psychosoziale Themen (Burnout-Syndrom, Umgang mit posttraumatischen Belastungen), rechtliche Fragen (z.B. Mietrecht, Widerspruchsverfahren), spezifische Fragen zum deutschen Gesundheitssystem und regionalbezogene Programmbestandteile. Hier ein paar Einblicke: Im Rahmen des Seminars in Mönchengladbach für BFDler aus NRW vom 28.07. bis 01.08. wurde eine Stadtführung „Spuren des jüdischen Lebens in Mönchengladbach“ organisiert. Ein kleines Highlight war ein spontaner Besuch des Bürgermeisters Michael Schroeren, der auf dem Platz der ehemaligen Synagoge seine Solidarität mit Israel bekundete – eine wichtige symbolische Geste vor dem Hintergrund des Anschlags auf die Synagoge im benachbarten Wuppertal in der vorhergehenden Nacht vom 28. auf den 29. Juli. In der Fortbildung für BFDler aus Mecklenburg-Vorpommern vom 16. bis 19. Juni wurde der Ausländerbeirat in Rostock vorgestellt, über die Entwicklung der jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern informiert und eine Stadtführung auf jüdischen Spuren in Rostock organisiert. Die Organisation des Seminars an zwei Standorten, den jüdischen Gemeinden in Rostock und Schwerin, fördert das „Miteinander“ innerhalb der Gemeindelandschaft. Die Gelegenheit, einander vorzustellen und zu einem Brückenbau zwischen Gemeinden unterschiedlicher religiöser Prägung beizutragen, wurde auch in Hannover genutzt. Hier kamen 30 BFDler aus drei jüdischen Gemeinden in Hannover zusammen, Seminar-standort war an 2 Tagen die liberale, an weiteren 2 Tagen die orthodoxe Gemeinde. Natalija Cherenkovski (42), kam 1992 aus Kiew nach Deutschland und ist Mitglied der liberalen jüdischen Gemeinde in Hannover: „Im August 2013 habe ich mein Studium der Sozialen Arbeit erfolgreich beendet. Seit März 2014 engagiere ich mich im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes in erster Linie im jüdischen Kindergarten in Hannover und helfe in der Gemeindeverwaltung. Mein Engagement als Bundesfreiwillige bedeutet für mich vor allem, meine Kommunikationsfähigkeiten mit unterschiedlichen Menschen zu verbessern sowie meine Kompetenzen als Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin weiterzuentwickeln. Auch lerne ich mehr über das Judentum und kann mich mit meiner jüdischen Identität auseinandersetzen. Ein Teil meiner Familie wurde in Babij Jar in Kiew umgebracht, daher wurde nie mit mir über unser Judentum gesprochen. In den begleitenden Seminaren erhalte ich Informationen, die für meine Zukunftsperspektive als auch für mich persönlich nützlich sind. In der Fortbildung in Hannover im Juni haben mir unter anderem die Vorträge von Boris Bujanow (Sozialarbeiter, Jüdische Gemeinde Leipzig) zum Sozialrecht gut gefallen. In seinem Workshop hatten wir einen direkten Praxisbezug und konnten konkrete Fälle bearbeiten. Themen wie Erste Hilfe und Tipps für die richtige Handlungsweise in extremen Situationen wären in weiteren Seminaren für mich von großem Interesse, das hat mir auch das Erlebnis in der S-Bahn direkt nach dem Seminar gezeigt. Hier griffen wir bei einem gewalttätigen Zwischenfall unter Jugendlichen in der S-Bahn als Einzige ein, leisteten erste Hilfe und riefen die Polizei. Auch der zunehmende Antisemitismus in Deutschland und weltweit, das Leben in Israel und die aktuelle politische Situation in Nahost würden mich interessieren.“
HvB, ZWST

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