DAS SOZIALREFERAT INFORMIERT

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 3 · September 2014

Mit Rabbiner Michail Kogan (jüdische Gemeinde Düsseldorf) im Seminar

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Im Gespräch mit der Mitarbeiterin des Sozialreferates,
Assja Kazwa

Liebe Assja, von den Kollegen, die aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugewandert sind, bist du die Dienstälteste. Wie bist du zur ZWST gekommen?

„Ich lebe jetzt 24 Jahre in Deutschland und seit 23 Jahren bin ich bei der ZWST. Als ich am 14.08.1990 mit einem 10-tägigen Touristenvisum von Moskau nach Ostberlin kam, wusste ich noch nicht, wie einschneidend sich mein Leben verändern würde. Alles begann mit einer Tätigkeit in einer staatlichen Beratungsstelle für jüdische Zuwanderer in Ostberlin, eine damalige Einrichtung der Ausländerbeauftragten der DDR. Hier traf ich auch Matthias Jahr, bis heute ein Kollege bei der ZWST in Brandenburg (S. 17/18). Hier war meine Unterstützung als Dolmetscherin gefragt. Alles befand sich im Umbruch, die Mauer war gefallen, aber die Wiedervereinigung noch nicht offiziell. Die Entscheidung, zu bleiben, habe ich in 2 Tagen gefällt, das war für mich nicht einfach – eine ungewisse Zukunft erwartete mich. Zur damaligen Berliner Zweigstelle der ZWST in der Oranienburger Str. kam ich im März 1991 und habe die  Neuzuwanderer in Berlin und Brandenburg beraten. Dann hat mich Beni Bloch im September 1992 nach Frankfurt geholt, hier wurde jemand gebraucht für die Dokumentenüberprüfung für die Aufnahme in eine jüdische Gemeinde.“

Wie hat sich dein Tätigkeitsbereich im Laufe der Zeit entwickelt?

„In den ersten Jahren der Zuwanderung war ich viel unterwegs: Ich habe Integrationsseminare und Infoveranstaltungen in den Gemeinden organisiert, habe Neuzuwanderer in den Wohnheimen beraten und Dokumente überprüft. Nach Eröffnung des ´Eden-Park` habe ich im Rahmen der Seniorenerholungen Vorträge zu aufenthaltsrechtlichen Fragen, zur Geschichte und Gegenwart der jüdischen Zuwanderung nach Deutschland und anderen Themen gehalten. Bis heute beteilige ich mich als Referentin bei Seminaren der Kollegen, wie z.B. der ´Runde Tisch mit Assja Kazwa` in den Fortbildungen für Sozialarbeiter. Dieser Erfahrungsaustausch ist sehr hilfreich für langjährige, aber auch neue Mitarbeiter in den Sozialabteilungen. Hier werden spezifische Fragen diskutiert, wie z.B. die Berücksichtigung der russischen Altersrente bei der Berechnung der Sozialhilfe, ein bis heute aktuelles Thema.“

Was sind heute deine Arbeitsschwerpunkte?

„Durch die neue Zuwanderungsgesetzgebung hat sich nach 2005 der Aufgabenbereich der ZWST erweitert: Neben der Dokumentenüberprüfung für die Gemeinden kam die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dazu. Ich bin in das Aufnahmeverfahren involviert, indem ich gutachterliche Stellungnahmen zur Aufnahmemöglichkeit in eine jüdische Gemeinde erstelle. Ein zweiter Schwerpunkt ist seit 2008 die von mir geleitete Fortbildungsreihe ´Koschere Küche`, das nächste Seminar findet Anfang Dezember statt. Da ich gelernte Deutschlehrerin und Übersetzerin bin, zieht sich meine Dolmetschertätigkeit wie ein roter Faden durch meine Tätigkeit bei der ZWST, das mache ich bis heute. Zum Beispiel übersetze ich viele Informationen für Angehörige von Menschen mit Behinderung in die russische Sprache oder dolmetsche ab und zu in den Seminaren meiner Kollegen. Auch die telefonische Beratung gehört zu meinem Arbeitsbereich, aktuell sind das vor allem Hilfesuchende aus der Ukraine.“

Was ist dein persönliches Fazit?

„Am Anfang in Berlin habe ich mit den Ratsuchenden gemeinsam gelacht und geweint, ich war ja zu dem Zeitpunkt auch Neuzuwanderin und somit Beraterin und Klientin zugleich. In der sozialen Arbeit ist zwar die professionelle Distanz zum Klienten wichtig. Doch auch heute geht es mir manchmal noch so: Wenn ich für jemanden etwas erreichen kann, ist das mein eigenes Erfolgserlebnis. Wenn ich z.B. die Einreise bei Härtefällen (z.B. erkrankte Familienmitglieder) beschleunigen kann oder dazu beitragen kann, dass ein Wiederaufnahmeverfahren nach ursprünglicher Ablehnung in Gang gesetzt wird. Wichtig ist es mir auch, den Leuten klarzumachen, wie hoch ihre Aufnahmechancen vor dem Hintergrund der aktuellen Gesetzeslage sind.

Wichtig für mich persönlich ist auch: Dank der Arbeit bei der ZWST und den vielen Seminaren habe ich die jüdische Tradition und Geschichte kennengelernt, die auch mir, wie vielen anderen Zuwanderern fremd war. - Für die Zukunft würde ich mir nach fast 25 Jahren Zuwanderung wünschen, dass wir von den  häufig negativ besetzten Kategorien ´Zuwanderer/Alteingesessene` wegkommen und dass es diese Trennung bald nicht mehr gibt.“

Vielen Dank!

Assja Kazwa (60) lebt in Frankfurt/M. mit ihrem Mann Peter zusammen.

 

Assja Kazwa  "in Aktion“, li: Rabbiner Mark Pavlovsky, ZWST

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