Das Sozialreferat informiert: Seminar für Sozialarbeiter

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 4 · Dezember 2014

Gute Gründe für schlechte Gesprächsverläufe

Kommunikation im Alltag und andere Tipps und Hilfen für Sozialarbeiter

Zum 2. Teil der mittlerweile klassischen Fortbildung für Sozialarbeiter trafen sich im November 26 Mitarbeiter aus 23 jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland. Hier konnten die Seminarleiter Anatoli Purnik und llya Rivin auch „Neulinge“ begrüßen, wie Sabina Tepman, eine Sozialarbeiterin aus der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Sie kam als Kind aus der Ukraine nach Deutschland, gehört zur 2. Zuwanderergeneration und damit zu dem Nachwuchs, der in den Gemeinden dringend benötigt wird.

Sozialrecht - lebendig vermittelt

Das Seminar wurde eingeleitet durch Referenten, die über eine jahrelange Praxis in der Sozialarbeit verfügen, selber zugewandert sind und gut beurteilen können, was gebraucht wird. Boris Bujanov, Sozialarbeiter der IRG Leipzig seit 1998, informierte über aktuelle Fragen und Änderungen im Sozialrecht. Dieses eher trockene Thema wurde lebendig vermittelt, indem verschiedene „Fälle“ in Workshops bearbeitet und lösungsorientiert  im Plenum diskutiert wurden.

Assja Kazwa, seit 1991 bei der ZWST, verfügt über ein umfassendes Wissen über alle Facetten der Zuwanderung und legte in ihrem Vortrag den Fokus auf die aktuelle Zuwanderung aus der Ukraine.

Alternative Angebote für Senioren

Alexander Pisetzki, seit 1994 Sozialarbeiter der jüdischen Gemeinde Magdeburg, stellte die neu eingerichtete Seniorentagesstätte der Gemeinde vor. In Deutschland gibt es nur wenige jüdische Einrichtungen für Senioren. Da der Bedarf steigt, ist dieses Angebot für alleinstehende und oft isolierte Senioren eine praktikable Alternative. Die meisten Gemeinden haben keine Ressourcen für ein eigenes Seniorenzentum, dazu kommen die Vorbehalte vieler älterer Gemeindemitglieder mit Migrationshintergrund. Das „Altenheim“ ist bei ihnen mit Vorstellungen behaftet, die man aus Ländern der ehemaligen SU mitbringt. In einer Präsentation skizzierte Alexander Pisetzki Organisation und  Programm der Tagesstätte und verdeutlichte den Unterschied zum Seniorenklub. Neben der Einrichtung einer „jüdischen Etage“ in Seniorenzentren der anderen Wohlfahrtsverbände (z.B. bei der AWO Rostock) ist dies ein weiteres, vielversprechendes Modell für ältere Gemeindemitglieder, die nicht mehr mobil sind.

Gesprächsverläufe

Den zweiten Seminartag zum Thema „Gute Gründe für schlechte Gesprächsverläufe“ gestaltete Dr. Julia Bernstein, Dozentin an der Universität zu Köln, Soziologin, Kulturanthropologin und Künstlerin. In themenzentrierten Sessions ging es um die Kommunikation im Alltag, wie z.B. Gesprächsverläufe mit Behördenmitarbeitern. Die hauptamtlichen Sozialarbeiter haben einen Migrationshintergrund und müssen trotz guter Deutschkenntnisse immer wieder ein Fingerspitzengefühl für ein unterschiedliches Sprachverständnis und die Zwischentöne entwickeln. Dr. Julia Bernstein präsentierte unter anderem ihre „Migrationscollagen“, eine Art visuelles „Tagebuch“ über das Leben jüdisch-russischer Migranten in Deutschland, was auch sprachliche Interaktion und Unsicherheiten aufgreift.

Infos der Jewish Claims Conference

Die Informationen der Rechtsanwältin Christiane Reeh von der Jewish Claims Conference in Frankfurt waren wie immer eine große Unterstützung und professionelle Bereicherung. Sie informierte die Anwesenden über komplizierte Themen wie die Ghettorenten und stellte sich den Fragen der Teilnehmer nach den Ansprüchen der immer weniger werdenden Überlebenden.

Die jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz stellt sich vor

Der Austausch mit anderen Gemeinden wird seit längerem als lebendige Exkursion organisiert. Der Wert dieser „Ausflüge“ als Lehrmethode zeigte sich auch diesmal: Die Gruppe verfolgte die Spuren des jüdischen Lebens in Speyer, dessen Ursprünge bis in Mittelalter zurückreichen. 1938 wurde die Synagoge in der Reichspogromnacht zerstört, 1996 erfolgte die Neugründung der jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz und 2011 die Wiedereröffnung der Synagoge. Die Sozialarbeiterin Marina Nikiforova berichtete über jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz und stellte die Arbeit der Gemeinde vor, die seit 2011 ihren Sitz in Speyer hat.

Midrasch

Das Programm wurde u.a. abgerundet durch einen Vortrag zum Thema „Märchen oder Wirklichkeit“ von Rabbiner Zeev Wolf-Rubins, der über den Midrasch (hebr.), die Auslegung religiöser Texte im Judentum referierte.  HvB, ZWST

 

 

Termine 2015:

Seminar für Sozialarbeiter I: 18.05. – 21.05. 2015

Seminar für Sozialarbeiter II: 23.11. – 26.11. 2015

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