Das Sozialreferat informiert: Fachtagung

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 4 · Dezember 2014

Fotos: Rafael Herlich

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Internationale Fachtagung zur psychosozialen Versorgung von Überlebenden der Shoah

Unter der Schirmherrschaft des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann und mit freundlicher Unterstützung der Aktion Mensch e.V. und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ (EVZ) hat die ZWST vom 02. bis 05. November im Gemeindezentrum der jüdischen Gemeinde Frankfurt/M. eine internationale Konferenz zum Thema „Betreuung und Belastung - Herausforderungen bei der psychosozialen Versorgung von Überlebenden der Shoah“ durchgeführt. Vor rund 180 Teilnehmern aus Deutschland, West- und Osteuropa, dem Baltikum, Weißrussland, Russland, der Ukraine und Israel betonte der Vorstandsvorsitzende der ZWST, Ebi Lehrer: „Die biologische Uhr tickt, die Überlebenden werden immer weniger. Gerade deshalb ist es uns ein Anliegen, für diese Zeitzeugen, heute mehrheitlich Child Survivors, da zu sein. Auch wird es zunehmend wichtiger, für die 2. und 3. Generation ein professionelles Angebot bereit zu stellen.“ Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Integrationsbeauftragte der Stadt Frankfurt und Vertreterin des Magistrats, verdeutlichte anlässlich des Gedenktages am 9. November, dass man keinen Strich unter die Vergangenheit ziehen dürfe und schlug einen Bogen zur aktuellen Flüchtlingssituation.

Noemi Staszewski (ZWST), Projektleiterin der Treffpunkte  für Überlebende, skizzierte in einem Rückblick die Entwicklung der Fachkonferenzen und betonte mit Blick auf das Tagungsthema: „Trauma im Alter verlangt eine bestmögliche Betreuung und spezielle Auswirkungen auf die zweite und dritte Generation verlangen professionelle Ausbildung der Fachkräfte. Seit der ersten Tagung im Jahr 2008 haben wir einen wichtigen Lernprozess durchlaufen.“ Prof. Dr. Doron Kiesel (FH Erfurt), der mit Noemi Staszewski die Tagung konzipiert hatte, konkretisierte in seiner Einführung die Tagungsthematik.

Referenten wie Dr. Markus Brunner, Sozialpsychologe aus Wien, Dr. Kurt Grünberg, Psychoanalytiker aus Frankfurt, Dr. Markus Zöchmeister, Psychoanalytiker aus Wien und Dr. Julia Bernstein, Dozentin für Migrationsforschung aus Köln, hielten Vorträge zum Begriff des Traumas, zur transgenerationalen Übertragung von Traumata und zu den Auswirkungen von Migration. Einblicke in die Praxis lieferten Ron Kalinsky und Dr. Moshe Shner aus Israel, die über ehrenamtliches Engagement für Überlebende und Bewältigungsstrategien der nachfolgenden Generationen berichteten.

Referenten des Bundesverbandes Information und Beratung für NS-Verfolgte in Köln sowie des Vereins Esra in Berlin (Hilfe für NS-Verfolgte und ihre Kinder) präsentierten ihre Arbeit. Miriam V. Spiegel, Paar- und Familientherapeutin aus Zürich informierte über die häufig schwierigen Beziehungen zwischen Überlebenden und pflegenden Personen und leitete zu diesem Thema ein Workshop. Prof. Esther Weitzel-Polzer, FH Erfurt und wissenschaftliche Beraterin im Altenzentrum Frankfurt, hielt einen Vortrag zum Thema Demenz und Trauma und bot einen Workshop an. Die Workshops (jeweils 6 an 2 Tagen) waren ein Schwerpunkt der Konferenz.

Die o.g. Referenten sowie Dr. Martin Auerbach, Klinischer Direktor von Amcha Israel und Dr. med. Ilan Diner, Facharzt und Psychoanalytiker in Berlin leiteten weitere Workshops, in denen die Teilnehmer die Möglichkeit zur Supervision und zum fachlichen Austausch zu spezifischen Themen hatten.

Am letzten Tagungstag richtete Rabbiner Julian-Chaim Soussan (Jüdische Gemeinde Frankfurt/M.) den Blick auf „Religiöse Perspektiven auf Tod, Verlust und Trauer im Judentum“. Die israelische Autorin Lizzie Doron, Angehörige der 2. Generation, zeigte in einer Lesung, wie Traumaerfahrungen literarisch verarbeitet werden können. Mit viel Empathie brachte Prof. Dr. Christian Wiese (Goethe-Universität Frankfurt/M.) in seinem Fazit die gewonnenen Einsichten und Erkenntnisse der gesamten Tagung auf den Punkt.

HvB, ZWST

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