ZWST informiert: Zukunftsformum 2020

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 4 · Dezember 2014

Tagung im Nelly-Sachs-Haus, Seniorenzentrum der jüdischen Gemeinde Düsseldorf

ZWST startet Zukunftsforum 2020

Die demographische Entwicklung stellt die jüdische Gemeinschaft vor große Herausforderungen. Der Anteil der über 60jährigen Gemeindemitglieder ist von 33 %  im Jahr 2000 auf 45 % im Jahr 2013 gestiegen (Quelle: ZWST-Mitgliederstatistik). Der Bedarf nach Angeboten für Senioren in den Gemeinden ist daher besonders groß, gleichzeitig muss die junge Generation in den nächsten Jahren verstärkt in die Gemeindelandschaft eingebunden werden, um diese zu stabilisieren und einen Strukturwandel zu ermöglichen. Die ZWST hat die Entwicklung der Mitgliederzahlen zum Anlass genommen, die Veranstaltungsreihe „Zukunftsforum 2020“ ins Leben zu rufen. Gemeinsam mit den Führungskräften der Gemeinden wird die ZWST zukünftig regelmäßig den Austausch suchen und eigene Angebote sowie Best-Practice-Beispiele aus den Gemeinden vorstellen. Es gilt, Lösungswege und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und gemeinsame Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Auftaktveranstaltung bildete das Zukunftsforum 2020 für die jüdischen Gemeinden in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt am 17. September 2014 bei der ZWST in Berlin mit rund 30 Teilnehmern. Nach Einführung und Begrüßung durch den Direktor der ZWST, Beni Bloch, stellte Paulette Weber, Leiterin des Sozialreferates, die Angebote für die Zielgruppe der Holocaust-Überlebenden vor. Günther Jek, Leiter des ZWST-Büros in Berlin, skizzierte in einem Vortrag das Subsidiaritätsprinzip, die Grundsätze der freien Wohlfahrtspflege und die Grundlagen der Sozialgesetzgebung. Im Anschluss wurden offene Fragen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) behandelt.

Best-Practice-Beispiele: Einen Einstieg bildete eine Präsentation von Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen über die Einrichtung einer jüdischen Abteilung in einem Seniorenzentrum der AWO. Judith Tarazi, Leiterin der ZWST-Kunstwerkstatt „Omanut“ in Berlin, berichtete über die Arbeit mit beeinträchtigten Menschen und skizzierte das Angebot der ZWST. Reges Interesse bei den Teilnehmern weckte die Information über die mobile Kunstwerkstatt mit eintägigen Kunstnachmittagen in verschiedenen Gemeinden. Michael Rubinstein, Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Duisburg-Mühlheim-Oberhausen referierte über die Gründung eines jüdischen Kindergartens. Xenia Fuchs, Leiterin des Jugendzentrums der jüdischen Gemeinde Hamburg, skizzierte die Anforderungen an Leiter und Betreuer bei der Organisation und Leitung von Jugendzentren.

Zukunftsforum „Altenpflege". Angesichts der o.g. Überalterung stehen jüdische Seniorenzentren mehr denn je im Fokus. Zudem  wachsen die gesetzlichen Herausforderungen an die Altenpflege. Die ZWST hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, den Austausch der Leiterinnen und Leiter der jüdischen Seniorenzentren stärker zu forcieren. Am 11. November kamen 17 Teilnehmer, überwiegend Einrichtungs- und Pflegedienstleiter aus ganz Deutschland im Nelly-Sachs-Haus in Düsseldorf zusammen, um aktuelle Anforderungen der Altenhilfe zu diskutieren und sich fortzubilden.

Auftakt der Tagung bildete ein Workshop mit dem Psychoanalytiker Dr. Kurt Grünberg. Mit Hilfe beeindruckender Videomitschnitte von Gesprächen mit Holocaustüberlebenden, stellte er die speziellen Herausforderungen bei der psychosozialen Betreuung von Überlebenden der Shoah in Altenzentren vor.

Impulsreferate zur Gründung von Fördervereinen, dem Werdenfelser Weg, als Alternative zu Fixierungen und freiheitsentziehenden Maßnahmen sowie Probleme bei der Rekrutierung von Fachpersonal waren weitere Themen des Forums.

Ein wichtiges Ziel für die Zukunft, auf das sich die Heimleiter einigten und das sie gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium angehen wollen, ist die Entbürokratisierung in der Pflege, erklärte Bert Römgens, Leiter des Nelly-Sachs-Hauses. Er vertritt die jüdischen Elternheime im Fachausschuss Altenhilfe der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) und ist Delegierter der ZWST im Bündnis für gute Pflege. - Das Zukunftsforum wird zukünftig regelmäßig zusammenkommen, um die jüdischen Einrichtungen für Senioren stärker zu vernetzen und Synergien zu identifizieren.

Aron Schuster, stellv. Direktor der ZWST

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