ZWST Berlin: Internationales Büro

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 4 · Dezember 2014

Fotos: Sabine Reisin,
Alex Bondarenko

Konferenz „Unsere Zukunft gestalten“
Junge Erwachsene diskutieren Zukunftsperspektiven

Vom 27. – 30. November lud das Internationale Büro der ZWST zur Konferenz „Unsere Zukunft gestalten“ nach Berlin ein, gefördert vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ). Über 40 Besucher aus Deutschland, Osteuropa und Israel, im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, fanden hier ein Forum für ihre Fragen und Perspektiven zur Zukunft der jüdischen Gemeinschaft. Dazu passgenau präsentierte sich die Umgebung: Im jüdischen Gemeindehaus stand ein schöner Konferenzsaal zur Verfügung und die Synagoge Joachimstaler Straße war Gastgeberin zur Kabbalat-Shabbat-Feier.

ZWST-Direktor Beni Bloch betonte in seinem Grußwort die Bedeutung junger jüdischer Menschen für die Zukunft der Gemeinden. Er versicherte, dass die ZWST auch zukünftig vielfältige Veranstaltungen für diese Altersgruppe plane und durchführen werde, um sie auf ihrem Weg zu begleiten, ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen und mit ihnen im Austausch zu bleiben.

Während der drei Konferenztage bestimmten konzentrierte Aufmerksamkeit und lebhafte Diskussionen die Atmosphäre. Erstklassige Referenten boten eine reichhaltige Palette an aktuellen und brisanten Themen: In ihrem Vortrag zur jüdischen Gemeinschaft in Europa forderte die Direktorin des American Jewish Committee, Deidre Berger: „Die jüdische Gemeinschaft muss stark und präsent sein“. Jeder könne dazu beitragen. Es gebe z. B. viele Unterstützerkreise von Politikern oder interreligiöse Gesprächskreise, an denen man teilnehmen, auf die man einwirken könne.

Eldad Beck von der israelischen Zeitung „Yedioth Ahronot“ spannte einen weiten Bogen vom Israel der 50er Jahre bis heute, um die Beziehung europäischer Juden zu Israel zu analysieren. Dabei kamen auch der neue, antizionistische („israelkritische“) Antisemitismus einerseits und die Auswanderung junger Israelis speziell nach Berlin andererseits als kontroverse Themen zur Sprache.

Dr. Gerhard Timm, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), zu der auch die ZWST gehört, sprach über den Spagat der Wohlfahrtsorganisationen: als Anwälte für Hilfebedürftige und Unternehmer im Dienstleistungssektor. Er erläuterte  die Möglichkeiten der Berufswahl und des bürgerschaftlichen Engagements bei den Wohlfahrtsverbänden und wies damit gleichzeitig attraktive Wege zur Mitgestaltung im Sozialwesen. Auch Dr. Michael Bader (wissenschaftlicher Berater des ZWST-Behindertenprojektes) betonte die Bedeutung sozialer Aktivität in der Gesellschaft und verwies auf die große persönliche Bereicherung, die mit einer Berufstätigkeit im sozialen Bereich einhergehe. Dr. Bader berichtete über seine gemeinnützige Organisation, die dabei behilflich ist, Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz zu verschaffen.

Die Psychologin Marina Chernivsky (ZWST-Projekt „Perspektivwechsel“) gestaltete ihren Workshop zum Thema „Multiethnische Gesellschaft – Toleranz und Ressentiments“ bewegungsreich: Je nach Antwort auf eine bestimmte Frage zur eigenen Sichtweise, etwa auf ethnische Gruppen oder als „eigenes“ und „fremd“ Empfundenes, sammelten sich die Teilnehmer auf verschiedenen Seiten des Raumes. So wurden unterschiedliche Arten von Ressentiments und „Stand“-Punkten in Verbindung mit einer physischen Erfahrung (Ich stehe hier oder dort, ich wechsele die Seiten) deutlich.

Eine Exkursion führte die Teilnehmer auf Spuren jüdischen Lebens durch Berlin. Die Tour führte zunächst zur Rampe am Bahnhof Grunewald mit dem Mahnmal Gleis 17, von dem einst die Transportzüge zu den Vernichtungslagern in Osteuropa starteten. Längere Zeit verbrachte die Gruppe beim Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Hier und am Pariser Platz gab es bei eisigen Temperaturen viele nachdenklich stimmende und auch bedrückende Informationen zur jüdischen Geschichte Berlins als Teil der europäischen Historie.

Die Konferenz schloss mit einem beeindruckenden Vortrag des Rabbiners Tovia Ben-Chorin, in dem er eindringlich und anrührend die Bedeutung des Landes Israel für jeden Juden aus religiös-spiritueller Sicht hervorhob und mit der Unerlässlichkeit ethischen Verhaltens verknüpfte.

Vieles konnte angedacht, aber nicht erschöpfend behandelt werden. Zum Abschied regten die jungen Erwachsenen eine Umfrage der ZWST zu brennenden Themen für zukünftige Seminare an. Eins davon ist der ablehnende Umgang der jüdischen Gemeinden mit Menschen, die ‚nur‘ einen jüdischen Vater haben, sich aber zum Judentum bekennen. Hier gangbare Lösungswege zu finden, sei für die Zukunft der jüdischen Gemeinden sehr wichtig.

Sabine Reisin, ZWST

 

 

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