Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 4 · Dezember 2017

„Hate Speech“: Soziale Medien - soziale Verantwortung

Seminar für junge Erwachsene in Berlin

36 junge Teilnehmende aus jüdischen Gemeinden bundesweit, mehrheitlich aktive Nutzer von Facebook und anderen Sozialen Netzwerken, haben sich vom 24. bis 26. November intensiv mit Hass und Hetze im Netz und möglichen Gegenstrategien befasst. Begrüßt wurden sie vom ZWST-Team Sabine Reisin (Seminarleitung) und Ilya Daboosh (Leiter Projekt 18+).

Workshop „Wortgewalt“: Rasch kamen alle miteinander ins Gespräch, als Marina Chernivsky, Leiterin des Kompetenzzentrums der ZWST, zur Eröffnung einen interaktiven Workshop veranstaltete. „Wortgewalt“ war das Thema, die Erzeugung von Hass einerseits und Angst andererseits durch Hate Speech. Die Hass-Rede sei im Internet alltäglich und müsse nicht immer in offensichtlich beleidigender Sprache abgefasst sein, wirke aber immer diskriminierend, ausgrenzend, bedrohlich, wie Chernivsky erklärte. Das Internet, in dem man weitgehend anonym sei, beschleunige die Weitergabe von Vorurteilen. Eine recht neue und besorgniserregende Erscheinung sei die Verknüpfung von Hate Speech mit antisemitischen Inhalten. Dabei spiele auch „die Macht der Bilder“, Fotopostings zu antisemitischen und antiisraelischen Zwecken, eine große Rolle. Wortgewalt, so das Fazit des sehr lehrreichen Workshops, sei eben nicht nur gesprochen oder geschrieben, denn: Aus Worten werden allzu leicht Taten.

Für die Professorin Monika Schwarz-Friesel, bekannte Sprach- und Antisemitismusforscherin von der TU Berlin, ist das Internet heute der ausschlaggebende Umschlagplatz für die Verbreitung antisemitischer Inhalte. Auch sie betonte in ihrem Vortrag zur Verbreitung von Antisemitismus im Netz die Anonymität der Nutzer sozialer Netzwerke und die, trotz gesetzlicher Regelungen bestehende Kontrollresistenz des Mediums. Bei Facebook z.B. werde Hate Speech nicht erkannt und entsprechend nicht gelöscht, wenn es sich um - in gebildeter (Hass)Sprache abgefasste - antiisraelische Postings handele.

Die schwierige Praxis gegen Hasskommentare diskutierten die Teilnehmer mit Mick Prinz, Amadeu Antonio Stiftung, Anna-Mareike Krause, Tagesschau und Sina Laubenstein, PR-Referentin der No-Hate-Speech-Kampagne der Neuen Deutschen Medienmacher. Mick Prinz, der vornehmlich den Rechtspopulismus und Rechtsextremismus im Internet vorstellte, warnte davor, die eignen Kompetenzen schleifen zu lassen: In der rechten Szene sei die Medienkompetenz meist sehr viel besser als bei denen, die sie zu bekämpfen versuchen. Anna-Mareike Krause, die im Team Social Media der Tagessschau bis zu 12.000 Kommentare täglich, darunter nicht wenige Hasspostings, sichtet, legte den Teilnehmern ans Herz, auf ihren eigenen Web- und Facebookseiten vom „Hausrecht“ Gebrauch zu machen und Hater auszusperren. Sperren und Löschen empfahl auch Sina Laubenstein. Man selbst solle beim Beantworten von Hasspostings immer ruhig, höflich und sogar humorvoll bleiben. Es gelte, weniger die Angreifer als die schweigende – und mitlesende – Mehrheit zu bedenken. Auf diese könne man Einfluss ausüben, auf notorische Hater hingegen nicht.

Die engagierte Vorsitzende der Stiftung Digitale Chancen, Jutta Croll, verabschiedete die Seminarteilnehmer mit dem letzten Beitrag im Programm „Wir brauchen mehr Respekt in den Sozialen Medien“. In diesem Rahmen konnte ausführlich zum neuen Netzwerkdurchsetzungsgesetz diskutiert werden: Ist etwas rechtswidrig oder geht es um freie Meinungsäußerung? Werden tatsächlich Rechtsbrüche geahndet oder private Unternehmen wie Facebook ermächtigt, Zensur auszuüben?

Am Ende wussten alle: Es wird noch manches auf uns zukommen, bevor das Internet ein ziviler Ort ist. Aber wir sind willens und aktiv, es menschenfreundlich zu gestalten. – In diesem Sinne wird auch die ZWST handeln und weiterhin Veranstaltungen zur kreativen Nutzung Sozialer Medien anbieten.

Sabine Reisin, ZWST Berlin

 

 

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