Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 4 · Dezember 2017

60+: Ein Angebot für junge Senioren - Pilotprojekt der ZWST

Dalia Wissgott-Moneta, Leiterin der Sozialabteilung in der jüdischen Gemeinde Frankfurt/M. und Mitglied der Initiativgruppe 60+, berichtet über ein neues Angebot der ZWST:

„Die Bildungsaufenthalte der ZWST mit jährlich über 1000 Teilnehmern im Kurhotel Eden-Park in Bad Kissingen sind sehr beliebt und nachgefragt. Alle Turnusse sind ausgebucht, es gibt Wartelisten. Warum also sollte man an einem erfolgreichen Modell etwas verbessern?

In den letzten Jahren war aufgefallen, dass die Gruppe der über 60jährigen Gemeindemitglieder, die bereits vor 1989 in den jüdischen Gemeinden aktiv gewesen sind, sich von diesem Angebot nicht angesprochen fühlte. Die Leiterin des Sozialreferats der ZWST, Jutta Josepovici, stellte daher die Frage: Wie könnte man ein für diese Gruppe interessantes Format gestalten? Und wie kann man die Potenziale dieser Generation für die Gemeinden nutzen? Die Grundidee dabei war, dass aktive Frauen und Männer ab 60 eine Menge Ressourcen haben, die sie in ihre Gemeinden einbringen könnten oder es bereits tun. Dass sich daraus ein Netz von qualifiziertem Ehrenamt entwickeln kann, eine Mischung aus aktiven Freizeit, Kultur- und Bildungsangeboten. Vielleicht würden solche gemeinsamen Zusammenkünfte auch ein Anstoß dazu sein, die Situation unserer Gemeinden zu reflektieren und gemeinsam eine Vision über die Zukunft der Gemeinden zu entwickeln? Kultur- und Freizeitangebote in Bad Kissingen, von den Teilnehmern selbst gestaltet, die diese Ansätze als Ehrenamt in ihre Gemeinden mitnehmen? Kühne Träume, aber wer hat gesagt, wer nicht träumt, ist kein Realist?

Eine kleine Initiativgruppe aus der ZWST und der jüdischen Gemeinde Frankfurt war bald zusammengestellt. Zufällig gehörten diese Mitarbeiterinnen genau dieser Generation an. So war es einfach, sich in die Bedarfslage der Anzusprechenden einzufühlen. Trotz der Kürze der Zeit wurde ein passgenaues Programm zusammengestellt, Ankündigungen kamen in diverse Zeitungen, infrage kommende Gemeindemitglieder wurden direkt angesprochen. Eine einwöchige Freizeit sollte es sein, kurz vor den Hohen Jüdischen Feiertagen.

Alle Sorgen - gibt es genügend Anmeldungen, wird die Gruppe zusammenwachsen, was machen wir bei Dauerregen - waren völlig unberechtigt. Es gab mehr Anmeldungen als Plätze. Keiner der rund 40 Teilnehmer hatte den Anspruch eines 5-Sterne-Hotels, alle genossen die gemeinschaftliche Atmosphäre und konnten gleichzeitig ihre individuellen Interessen ausleben. Die anfänglich sehr heterogen wirkende Gruppe wuchs problemlos zusammen. Vom jungen, grün-alternativ-anarchistisch wirkenden Qui Gong-Lehrer, der uns morgens und abends zum Durchbewegen anhielt bis zu dem älteren, sehr attraktiven und verliebten Traumpaar, dessen Alter hier nicht verraten wird, alle fanden eine besondere Nähe zueinander. Das Wetter war schön, trotz mieser Vorhersage. Der leicht antiquierte Charme von Bad Kissingen tat das Seine.

Die Leiterinnen dieser Freizeit Anfang September, Tirza Hodes und Alina Altmann, blühten förmlich mit uns allen auf, obwohl sie es nicht leicht hatten, eine solche Menge von Eigenwilligen zusammenzuhalten. Das taten sie mit Bravour und leichter Hand. Selbst das Team vom Eden-Park entspannte sich, da zunächst nicht schlecht gestaunt wurde, als einfach Tische und Stühle gerückt wurden, entsprechend den jeweiligen Sitzbedürfnissen. Das Programm wurde freudig angenommen. Es wurde gemeinsam geturnt, getanzt, gemalt, gebetet zu Kabbalat Shabbat, die Synagoge besucht, gelacht, spazieren gegangen, ein Film geschaut gemeinsam mit dem Drehbuchautor und über Weltliches und Jüdisches diskutiert. Bei einem Workshop zum Ehrenamt stellte sich heraus, dass fast alle Teilnehmer vielfältig und teilweise sehr anspruchsvoll ehrenamtlich aktiv waren. Sei es in ihren Gemeinden, in Stiftungen, in der Flüchtlingshilfe, bei Hausaufgabenhilfen oder bei Kulturaufgaben.

Nach der Woche fiel es schwer, voneinander Abschied zu nehmen. Das Feedback aller Teilnehmer war hervorragend, die Kritik konstruktiv, die Anregungen unbedingt beachtenswert für die kommende Kultur- und Bildungswoche der Aktiven 60+. Und die gibt es ganz bestimmt.“

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